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Das Frontalhirn – Kommando- und Steuerzentrale des Menschen

Das Frontalhirn unterscheidet den Menchen maßgeblich von der Tierwelt

Durch die neurobiologische Brille lässt sich das menschliche Frontalhirn mit seinem ihm zugeschriebenen Fähigkeiten als Abgrenzung zu der Tierwelt auf der Erde beschreiben.

Unser Frontalhirn ist die Hirnregion, in der wir uns am deutlichsten von allen Tieren unterscheiden. Es gibt uns die Möglichkeit wie Menschen zu handeln, auch wenn nicht jeder diese Möglichkeiten voll ausnutzt.

Steuerzentrale des Gehirns


Das Frontalhirn ist diejenige Hirnregion, in der alle komplexen, nutzungsabhängigen neuronalen Verschaltungen letztendlich zusammenlaufen. Sie ist eine Region, die sich beim Menschen zuletzt und am langsamsten entwickelt, und die auch bei unseren nächsten tierischen Verwandten weitaus kümmerlicher ausgebildet ist.

Anatomisch heißt sie Frontal- oder Stirnlappen. Sie ist in besonderer Weise daran beteiligt, aus anderen Bereichen des Gehirns eintreffende Erregungsmuster zu einem Gesamtbild zusammenzufügen, und auf diese Weise von „unten“, aus tieferliegenden und früher ausgereiften Hirnregionen eintreffende Erregungen und Impulse zu hemmen und zu steuern.

Zukunftsorientierte Handlungsplanung

Ohne Frontalhirn kann man keine zukunftsorientierten Handlungskonzepte und inneren Orientierungen entwickeln, kann man nichts planen, kann man die Folgen von Handlungen nicht abschätzen, kann man sich nicht in andere Menschen hineinversetzen und deren Gefühle teilen, auch kein Verantwortungsgefühl empfinden.

Unser Frontalhirn ist, wie bereits erwähnt, die Hirnregion, in der wir uns am deutlichsten von allen Tieren unterscheiden. Und es ist gleichzeitig eine Hirnregion, die in besonderer Weise durch den Prozess strukturiert wird, den wir Erziehung und Sozialisation nennen.

Exekutive Frontalhirnfunktionen

„Exekutive Frontalhirnfunktionen“ nennen die Hirnforscher diese Metakompetenzen, deren Herausbildung bisher eher dem Zufall überlassen worden ist und auf die es in Zukunft mehr als auf all das in der Schulzeit auswendig gelernte Wissen ankommt.

Die exekutive Frontalhirnfunktionen setzen sich auf folgenden Metakompetenzen zusammen. Es handelt sich um Fähigkeiten wie,

  • vorausschauend zu denken und zu handeln (strategische Kompetenz)
  • komplexe Probleme zu durchschauen (Problemlösungskompetenz)
  • die Folgen des eigenen Handelns abzuschätzen (Handlungskompetenz, Umsicht)
  • die Aufmerksamkeit auf die Lösung eines bestimmten Problems zu fokussieren
  • sich dabei entsprechend zu konzentrieren (Motivation und Konzentrationsfähigkeit)
  • Fehler und Fehlentwicklungen bei der Suche nach einer Lösung rechtzeitig erkennen und korrigieren zu können (Einsichtsfähigkeit und Flexibilität)
  • sich bei der Lösung von Aufgaben nicht von aufkommenden anderen Bedürfnissen überwältigen zu lassen (Frustrationstoleranz, Impulskontrolle).

Das Fatale an diesen im Frontalhirn verankerten Metakompetenzen ist: Sie lassen sich nicht unterrichten. Oder um es mit Kurt Tucholsky zu sagen:


“Erfahrungen vererben sich nicht – jeder muss sie allein machen. Jeder muss wieder von vorn anfangen.”

– Kurt Tucholsky

Verschaltungsmuster im präfrontalen Kortex


Verankert werden diese Metakompetenzen in Form komplexer Verschaltungsmuster in einer Hirnregion, die sich im vorderen Großhirnbereich befindet: Im Stirnlappen, dem präfrontalen Kortex.

Die in anderen Hirnregionen gespeicherte Gedächtnisinhalte werden in diesen Netzwerken des präfrontalen Kortex zu einem Gesamtbild zusammengefügt und mit den in tiefer liegenden subkortikalen Hirnbereichen generierten Signalmustern verglichen.

Die so erhaltenen Informationen werden für alle bewussten Entscheidungsprozesse und zur Modifikation bestimmter Verhaltensweisen genutzt.

Optimale Steuerung ist situations- und erfahrungsabhängig

Je nach Erfahrungsschatz und individueller Ausprägung dieser Kontrollfunktionen können verschiedene Menschen ihr Verhalten in einer Situation, die Initiative erfordert, unterschiedlich gut steuern.

Als diejenige Region des menschlichen Gehirns, die sich am langsamsten ausbildet, ist der präfrontale Kortex, in seiner Entwicklung auch in besonders hohem Maße durch das soziale Umfeld, in das ein Kind hineinwächst, beeinflussbar.

Die dort angelegten neuronalen und synaptischen Verschaltungsmuster werden nicht durch genetische Programme, sondern durch eigene Erfahrungen herausgeformt.

Metakompetenzen werden durch Lernprozesse entwickelt, die auf Erfahrung beruhen

Die Fähigkeit oder Unfähigkeit, sich erfolgreich Herausforderungen zu stellen, ist also keineswegs angeboren oder gar zufällig. Metakompetenzen werden durch Lernprozesse entwickelt, die auf Erfahrung beruhen.

Wie gut ihre Ausformung gelingt, liegt somit in der Hand derer, die das Umfeld eines jungen Menschen prägen und mit ihm in einer emotionalen Beziehung stehen.

Die höchste Bewusstseinsstufe bei aktivem Frontalhirn

Ist das Frontalhirn aktiv, dann erleben wir die höchste Bewusstseinsstufe und können uns gut in der Welt zurechtfinden, erleben uns als Gestalter unseres Lebens und erfahren Sinnhaftigkeit. Durch die Möglichkeit eigene Entscheidungen für uns und unser Leben durch eine bewusste Wahl zu treffen, erleben wir Autonomie.

Tiere sind durch das Instinktprinzip determiniert

Tiere sind durch das Instinktprinzip davon befreit und sind in ihren Entscheidungen und den daran hängenden Handlungen von ihren Instinkten abhängig. Damit müssen sie sich auch nicht rückwirkend mit Fehlentscheidungen quälen oder sich Vorwürfen aussetzen, Fehler und Schaden für die Gemeinschaft erzeugt zu haben. So entfällt für die Tiere auch die Möglichkeit sich stetig bewusst selbst zu optimieren.

Das andere extrem – der Optimierungs-Zwang

Für ein Teil der Menschen ist das mittlerweile bereits in einen Optimierungs-Zwang ausgeartet. Ohne Schrittzähler am Handgelenk oder andere das Körpergeschehen erfassende Messgeräte, bewegen sich Tiere so wie es gerade in Abhängigkeit ihres aktuellen Zustandes geht.

Der schlafende Kater auf der Fensterbank wird vermutlich nicht noch einmal seine Fehlversuche bei der Jagd durchspielen, um sich für die kommenden Herausforderungen zu optimieren.

Ob er sich im Stillen über seine Erfolge feiert und diese im Sinne von Bestpractice Beispielen dokumentiert, ist ebenfalls sehr fraglich. Dafür liegt der Kater für meinen Eindruck völlig tiefenentspannt, relaxt und im Zustand optimaler Regeneration für die nächsten Abenteuer einfach nur da.

Wenn sie diesen Zustand der Tiefenentspannung als nicht nur erstrebenswert empfinden, dann wissen sie, welchen Preis wir Menschen dafür bezahlen, dass wir die Führung unseres Lebens nicht von Instinkten abhängig machen müssen.

Selbstverantwortung

Das bringt uns Menschen mit einer Verantwortung für uns selbst in Kontakt. Wir können selbst entscheiden und durch eine bewusste, willkürliche Entscheidung Einfluss auf unser Leben und unser Verhalten nehmen.

Wir müssen also nicht so weitermachen wie bisher und können jederzeit einen Richtungswechsel vornehmen. Da die Energie bekanntlich dorthin geht, wo die Aufmerksamkeit ist, sollte eine aktive Ausrichtung unserer Wahrnehmungssysteme auf das Gewünschte ausreichen.

Autonomie

Wir Menschen sind also nicht an Vorgaben von anderen gebunden, sondern entscheiden autonom, was für uns Bedeutung bekommt und was nicht.

Unter dieser Unberechenbarkeit leiden Entscheider, die die Menschen in Arbeitsorganisationen alle auf ein Ziel vorgegebenes Ziel ausrichten wollen.

Schaut man sich die Debatten und vor allem die Moden in der Unternehmensberatung über einen längeren Zeitpunkt an, dann scheint die Übernahme von Verantwortung nicht zu hoch im Kurs zu stehen. So werden aktuell wieder vermehrt Methoden eingekauft, die Eigenverantwortung beim Entscheiden und Handeln „lehren und schulen“, aber bitte alles im Sinne der vorgegebenen Richtung des Top-Management.

Bewertung statt Autonomie

Die Widersprüchlichkeit scheint nicht sonderlich zu interessieren und so bleibt wie immer als Lösung, den Menschen in einer Organisation die Kompetenz abzusprechen, sie zu entwerten und ihnen mit defizitorientierten Haltungen gegenüberzutreten.

Verhalten ist immer sinnvoll

Menschen verhalten sich aber prinzipiell aus ihrer Innenperspektive heraus so, dass ihre Einschätzungen und Bewertungen grundsätzlich sinnvoll auf Grund ihrer Lebenserfahrungen sind. Menschen wissen die Würdigung dieser Erfahrungen und der aktuellen Wahrnehmungen sehr zu schätzen. Erst dann öffnen sie sich für eine Kooperation.

Das Gehirn ist ein Beziehungsorgan

Da das menschliche Gehirn, insbesondere das Frontalhirn, sich in Beziehungen strukturiert und seine Vernetzungen ausbildet, werden auch in Beziehungen diese alten Erfahrungen aktiviert und die entsprechenden sozial-emotionalen Bewertungsebenen reagieren entsprechend auf die aktuellen Beziehungsangebote und der herrschenden Umgangskultur.

Wenn also Menschen in Organisationen scheinbar nicht gewillt sind für sich und für ihre Handlungen die Verantwortung zu übernehmen, dann nehmen sie bestimmt diese Diskrepanz und Widersprüchlichkeit wahr.

Statt zu fragen, was die Menschen für gute Gründe haben, sich in diesem Kontext und der wahrgenommenen Beziehungs- und Umgangskultur für gute Gründe haben, wirft man ihnen vor, nicht schnell genug ins Handeln zu kommen oder zu viel Absicherung und Besitzstandswahrung zu machen.

Fehlerkultur

Wenn man Menschen zu mehr Übernahme von Eigenverantwortung bringen möchte, dann muss man damit rechnen, dass sie Fehler machen und Fehlentscheidungen treffen können. Dann können sie sich selbst schuldig fühlen oder Schuld von anderen zugewiesen bekommen.

Und für diese Fälle benötigen sie die Sicherheit, dass ihnen dann keine Nachteile entstehen. Wer sich bewusst für oder gegen etwas entscheiden kann, der kann sich eben auch falsch entscheiden und sich etwas einhandeln, was er später bedauern könnte.

Nun wird überall seit Jahren dazu aufgerufen, dass Fehler dazu gehören, frei nach dem Motto, wo gehobelt wird, da fallen auch Späne. Nur aus Fehlern lernt man, hört man oft als Mutmacher und aufbauenden Trost seiner Liebsten.

Eigenverantwortung – eine riskante Angelegenheit?

Trotzdem ist das Selbstentscheiden und die damit verbundene Eigenverantwortung für viele keine leichte Angelegenheit. Viele organisieren ihr Leben so, dass sie möglichst für ihre Handlungen nicht verantwortlich gemacht werden können.

So erspart man sich den eigenen oder von anderen gemachten Schuldvorwurf, bleibt aber ständig ein Abhängiger von den Entscheidungen anderer.

Zugehörigkeit ist ein wichtiger Faktor

Warum tun sich so viele Menschen mit der Übernahme von Verantwortung so schwer?
Ein Erklärungsversuch liegt in dem menschlichen Grundbedürfnis nach Zugehörigkeit und Verbundenheit zu einer Gemeinschaft.

In Abhängigkeit von kulturellen Einflüssen scheint dieses tiefe Bedürfnis auf dem Spiel zu stehen, wenn man glaubt, dass man sich falsch verhalten oder eine Entscheidung getroffen hat, die der Gemeinschaft oder den zentralen Bezugspersonen nicht passen würde.

Befähigung zur Eigenverantwortung?

Wenn man bedenkt, dass in Arbeitsorganisationen und Unternehmen seit Jahren empowert wird bzw. werden soll, dann scheint es mit der Selbstbefähigung und Selbstermächtigung noch immer nicht so weit her zu sein.

Wenn die HR- Abteilungen ihre Mitarbeiter durch externe Dienstleister zu größerer Eigenverantwortung befähigen möchten, sollten die sich vorab über die aus dem Leben herausgebildeten Entscheidungs- und Handlungsmuster ihrer Mitarbeiter kundig machen.

Auf der Grundlage der individuellen Ausprägungen können dann die hilfreichen Umgebungs- und Kontextfaktoren bestimmt werden, die den Menschen helfen, ohne Angst- und Absicherung mutig Eigenverantwortung zu übernehmen.

Metakompetenzen des Frontalhirns werden im Handeln sichtbar und messbar

Sicht- und auch messbar werden diese sogenannten exekutiven Metakompetenzen des Frontalhirn beim Handeln, Problemlösen und in der Interaktion mit anderen. Umgekehrt wird die Kultur einer Unternehmensorganisation in den vielen individuellen Handlungs- und Entscheidungssituationen ablesbar.

Die sozial-emotionalen Bewertungsebenen im menschlichen Gehirn können gar nicht anders als auf die erlebte Umgangs- und Beziehungskultur, besonders aber auf die Bewertungskultur durch Führungskräfte, vor allem unbewusst zu reagieren.

Deshalb ist es mittlerweile möglich geworden, die Kultur in einem Unternehmen genau über die Addition der Muster von einzelnen transparent zu machen. Zur Messung der exekutiven Metakompetenzen haben wir das Deecio Verfahren entwickelt.

Deecio Verfahren

Das Deecio Verfahren ist ein hochinnovatives, weltweit einzigartiges Analyseverfahren für die exekutiven Funktionen unseres Gehirns. Diese sogenannten Metakompetenzen beeinflussen maßgeblich, wie wir Entscheidungen treffen.

Das DEECIO Verfahren erfasst objektiv und zuverlässig die exekutiven Funktionen oder „Metakompetenzen“ des Frontalhirns – der übergeordneten Steuerungszentrale des Gehirns. Dieses wissens-unabhängige Erfahrungswissen steuert maßgeblich Ihr Entscheidungsverhalten. Das DEECIO Verfahren erfasst, nach welchen Mustern Sie Entscheidungen fällen und sich verhalten und zeigt Ihnen, wie Sie Ihr Entscheidungsverhalten optimieren können.

DEECIO ist macht Ihre Entscheidungs- und Handlungsmuster sichtbar und zeigt Ihnen auf, welche Folgen Ihre Muster für Sie selbst und Ihr Umfeld hat!

Nutzen Sie die Ergebnisse der modernen Hirnforschung “Made in Germany” und erfahren Sie, wie Sie mit Hilfe des Deecio Verfahrens die Kollaboration in Ihrem Unternehmen maßgeblich und merklich verbessern können.

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